Zu mir und meiner Arbeit

Ein bisschen Hintergrund zu mir und Frau Sonntags Hütte

Als ich noch keine Hundetrainerin war und ich mich für jemanden aus diesem Bereich interessiert habe, habe ich immer gerne etwas über dessen*ihren Werdegang gelesen. Mich hat interessiert, wer als Mensch hinter der Berufsbezeichnung „Hundetrainer*in“ stand.

Deshalb habe ich mich entschlossen, für euch ebenfalls etwas über meinen Werdegang, meine inhaltlichen Ausrichtungen, meine Aus- und Weiterbildungen und meine Lebensart und -einstellung zu schreiben.

Die Frage ist nur, wo soll ich anfangen? Es gäbe so vieles zu erzählen.

Ähnlich wie viele meiner Kolleg*innen kam ich eigentlich aus einer anderen Richtung. Nach meinem Studium auf Lehramt bin ich in die freie Bildung gegangen. Viele Schulprojekte in ganz Norddeutschland gegen Diskriminierung und Rassismus, viele Jahre Arbeit in unterschiedlichen Gruppen mit theaterpädagogischen Ansätzen zu Sozialkompetenz und Teamfähigkeit und die intensive Arbeit mit Firmenbelegschaften und Führungskräften zu Kommunikations- und Feedbackstrukturen begleiteten meine Zeit vor Frau Sonntags Hütte.
Und ich beschloss, dass mich bei dieser Arbeit ein Hund begleiten sollte. Die Entscheidung fiel auf einen Labradorwelpen und wir nannten sie Frau Sonntag.
Mein Plan zu dem Zeitpunkt: Ich erziehe diesen Welpen einfach ein halbes Jahr gut und dann trottet sie den Rest ihres Lebens genüsslich hinter mir her.
Was wir schnell ahnten: Für diesen Plan hatten wir uns den „falschen“ Welpen aus der Wurfkiste ausgesucht.

Aber bekanntlich macht das Leben eben seine eigenen Pläne und es stellte sich bald heraus, dass dieser Hund genau richtig war. Sie brachte mich auf einen Weg. Meinen Weg.

Der war anfänglich sehr beschwerlich, denn alle Hundeschulen in meinem Umfeld konnten uns nicht helfen. Klar konnte ich dieses völlig verfressene Labradormädchen mit Futter durch den Alltag manövrieren. Aber es war eben nur ein manövrieren, kein Führen. Ich hatte immer das Gefühl, sie als so komplexes Wesen eher in ein menschliches Funktionssystem zu pressen. Und die permanente Anwesenheit von Arbeitsaufträgen (Sitz, Platz, Bleib, Bei Fuß, …) und dem dazu permanent anwesenden Futter oder den Hilfsmitteln, die Frau Sonntag mit Futter verband (z.B. ein Klicker), sorgten dafür, dass dieser extrem aktive, impulsive Hund den ganzen Tag mit einem Puls durch den Alltag lief, der fast durch die Decke ging. Hätten wir so weiter gemacht, wäre sie vermutlich bald an einem Herzinfarkt gestorben. Viele Methoden und Herangehensweisen haben wir ausprobiert und sie sorgten für unterschiedliche Ergebnisse: ein völlig aufgedrehter Hund, der immer mehr Aktivität verlangt; Vertrauensverlust auf beiden Seiten; Kontrollverlust; Ärger und Wut; Hilflosigkeit und Verzweiflung; eine permanente Angst um den Hund (ich war mir sicher, sie wird irgendwann von einem Auto überfahren). Ohne Leine ging kaum, mit Leine war eine Tortur.
Ich hatte auf jedem Spaziergang die Taschen voller Futter, Klicker, Dummy, Wurfschellen, Schleppleine, und und und – geholfen hat es mir und Frau Sonntag nicht.

Und dann las ich etwas von der Herangehensweise an das Führen von Hunden von Maike Maja Nowak und hatte das erste Mal das Gefühl, dass das ein gangbarer Weg sein könnte, der zu meinem Hund und zu meiner Einstellung bezüglich respektvollem Umgang mit der Natur des Hundes passen könnte.
Und dieses Gefühl war richtig.

Unser Weg führte uns erst als Kundin zum Dog Institut von M.M. Nowak, dann als Hospitantin und dann zu den unterschiedlichsten Menschen, die ähnliche Ansätze verfolgten.
In der Zwischenzeit hatte ich plötzlich Gassi-Geh-Hunde. Erst einen, dann zwei, irgendwann war ich täglich mit mindestens 7 Hunden unterwegs.

Hunde führen wirkte plötzlich gar nicht mehr so kompliziert, gar nicht mehr so anstrengend. Spazierengehen mit Hunden machte plötzlich sehr viel Spaß, weil ich einen Weg gefunden hatte, wie die gesamte Gruppe mir zuhörte, mit mir in Kontakt blieb und mich als Entscheidungsträgerin akzeptierte. Egal ob jagende Weimaranerin, größenwahnsinniger Chihuahua, schnell aufgedrehter Jack-Russel-Boder-Collie-Mix oder langsamer Mops in seiner eigenen Welt.

Und ich beschloss dies an andere Menschen weiter zu geben, eine Alternative anzubieten.
Und so gründete ich 2014 Frau Sonntags Hütte.
Ich wollte einen Ort schaffen, an dem Menschen ihren Hunden wirklich ehrlich begegnen und sich erarbeiten können, dass ihre Hunde ihnen zuhören, statt ihnen zu gehorchen – das macht in meinen Augen das Leben mit Hund nämlich so viel entspannter und freudiger.

Da ich ein eher kritischer Mensch bin und mich selten einem Ansatz, einer Methode, einem Weg ganz und gar verschreibe, habe ich mir viele andere Menschen angeschaut und vieles ausprobiert.

Ein weiterer wichtiger Schritt zu noch mehr Verständnis für das Wesen Hund und was Hundehalter*innen in Not an effektiver Hilfe brauchen, war das Kennenlernen der HundeTeamSchule (HTS) von Anita Balser. Erst nur Kundin, wurde ich bald Teammitglied, absolvierte Lehrgänge und begleitete HTS als Trainerinnenassistentin über ein Jahr lang auf unzähligen Seminaren in ganz Deutschland.

So fügen sich viele Puzzleteile zusammen und auch ich lerne nie aus. Ich bin selber wahnsinnig gerne auf Seminaren von Kolleg*innen und lerne gerne dazu, um individuell auf jedes Hund-Mensch-Team und deren Schwierigkeiten im Alltag eingehen zu können.

Ich sehe dabei auch immer die Menschen, denn die sind in meinen Augen genauso individuell, wie ihre Hunde. Eine wertschätzende und verständnisvolle Kommunikation ist mir in meiner Arbeit unglaublich wichtig. Ohne ein Coaching des Menschen, ohne eine individuelle Stärkung, geht es meiner Erfahrung nach eben nicht. Ich kann dem Hund nicht erklären, dass sein Mensch ab jetzt akzeptierter Entscheidungsträger ist. Aber ich kann den Menschen unterstützen, das für seinen Hund zu werden.

Ich weiß, dass es Menschen gibt, die gerne wissen, welche Aus- und Weiterbildungen der Mensch, den man um Hilfe bittet, gemacht hat.
Das finde ich grundsätzlich auch sehr vernünftig.
Ich liste euch deshalb gerne mal meine Teilnahmen alle auf.
Was ich so schwierig an solchen Auflistungen finde: Die Qualität der Veranstaltung/ des Durchführenden lässt sich aus so einer Liste nicht erkennen. Und so finden sich in dieser Liste auch Veranstaltungen, die ich eher kritisch betrachte und aus denen ich für mich nicht so viel mitnehmen konnte oder wollte. Aber zu wissen, was man nicht möchte, kann durchaus auch hilfreich sein.
Am Ende sagt euch diese Auflistung aber eben nicht so viel über mich und meine Arbeit und ich glaube, man muss sich immer selber ein Bild machen und auf sein Bauchgefühl hören.
Das tun viele Hundehalter*innen, die dringend Unterstützung suchen, erfahrungsgemäß häufig zu wenig.


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Hier nun aber die Liste meiner besuchten Veranstaltungen und Seminare aus 2016 und 2017 (sonst wird die Liste zu lang):

2016
Trainerassisstentin bei der HundeTeamSchule von Anita Balser
Thomas & Ina Baumann: Ecken und Kanten in der Mensch-Hund-Beziehung
Thomas und Ina Baumann: Mehrhundehaltung – Gemeinsam zu mehr Harmonie

2017
Prof. Dr. Udo Gansloßer: Das Für und Wider von Kastration
Prof. Dr. Udo Gansloßer: Das Stressverhalten beim Hund
Dr. med. vet. Jo-Ann Lawrence: Über das enge Zusammenspiel unserer Emotionen mit denen unseres Hundes
Ute Heberer: Beobachten und Einschätzen von Konflikten zwischen Hunden
Gudrun Gentili: ZOS – Objektsuche
Christel Löffler: Charakteranalysen und Persönlichkeitstests
Ines Kivelitz: Die Entdeckung der Langsamkeit
Dorit Feddersen-Petersen: Individualentwicklung
Prof. Dr. Udo Gansloßer: Kastration – Was nun?
Prof. Dr. Udo Gansloßer: Störungen in der Hund-Mensch-Beziehung

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Frau Sonntags Hütte war immer als Ort der Begegnung gedacht und ich freue mich sehr, dass es das mittlerweile geworden ist. Ich lebe mit zwei Teammitgliedern zusammen in einem Haus mit Grundstück und unseren insgesamt 10 Hunden.

Viele Seminare, Kurse und Veranstaltungen finden hier für unsere Kund*innen im familiären Umfeld statt.

Ich selbst habe derzeit drei eigene Hunde (die anderen beiden aus dem Tierschutz), verbringe aber meine Tage mit den vielen Betreuungshunden hier vor Ort, die tagsüber mit in unserem Haus leben. Von diesen künstlich zusammengestellten Hundegruppen und von meinem gesamten Team lerne ich jeden Tag immer wieder etwas Neues. Und dafür bin ich sehr dankbar.

Ohne Frau Sonntag gäbe es all dies nicht und ich bin diesem früher so chaotischen, herzenswarmen Wesen so unglaublich dankbar für all die Entwicklung (auch in mir), die sie einfach durch ihr Sein und durch ihr gnadenloses Vorhalten eines Spiegels ermöglicht hat.

Ganz unerwartet und so schnell wurde aus der vorherigen Frustration, Verunsicherung und Hilflosigkeit damals ein Potpourri aus Energie, Mut und Freude. Bei mir und bei ihr.

Und es folgte:
Ein partnerschaftliches, auf Verständnis basierendes und entspanntes Leben mit Hunden.
Macht auch ihr euch auf den Weg mit eurem Hund zu einem vertrauensvollen, partnerschaftlichen und entspannten Zusammenleben als Mensch-Hund-Team.
Lernt euren Hund als Trainer*in zu sehen – er zeigt euch am Besten, wie es funktioniert.
Ich unterstütze euch dabei sehr gerne!


Eure Ska Siolek